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Yoga und Schulmedizin - ein Widerspruch?

Wie Yoga und Allgemeinmedizin zusammen passen? Für mich ist das keine Frage von Lehrkonzepten sondern der Anspruch als Allgemeinmediziner Hilfe zur Selbsthilfe zu erteilen. Und gerade die Vorsorge sollte aus meiner Sicht in der westlichen Medizin eine stärkere Position einnehmen. Damit meine ich nicht nur die regelmäßige Statuserhebung und ein Blutbild. Vorsorgemedizin sollte eigentlich schon bei der Schulbildung beginnen.

Was wünscht sich der Arzt von seinem Patienten zumeist, wenn es um Anpassungen des Lebensstils geht? Besonders bei jenen, die mit zuviel Stress, zu wenig Bewegung, mangelhaften Ernährungsgewohnheiten und Übergewicht, zu viel Alkohol oder Zigaretten Konsum im Laufe der Jahre die Rechnung präsentiert bekommen, fehlt es oft an einem Gesamtkonzept. Zumeist bekommt der Betroffene mit gehobenem Zeigefinger Empfehlungen, die ihm seine kleineren und größeren Sünden vor Augen führen: ein bisschen mehr Sport, weniger Zucker und fette Sachen essen und natürlich zum Rauchen aufhören… das sind die üblichen Anweisungen, die an den Patienten gerichtet werden. Das Resultat dieser Maßnahme (also der Empfehlungen für eine gesündere Zukunft) ist häufig nicht von Erfolg gekrönt. Aber das wundert uns auch nicht: wer setzt schon gerne Gebote und vor allem Verbote um. Die meisten scheitern schon an zwei guten Vorhaben, resignieren und geben zuletzt häufig das gesamte "Projekt Gesundheit" auf.

Was aber, wenn ich als Arzt empfehle Yoga zu praktizieren? Einfach mal zum Ausprobieren, man muss sich ja nicht gleich für ein Jahr verpflichten. Was sind meine Argumente? Was hat Yoga mit Rauchen oder Ernährung zu tun? Ganz einfach: Yoga ist ein Weg, der beschritten werden kann. Er führt über angemessene körperliche Übungen langsam weiter zu mehr Selbstreflexion und Gefühl für die eigene Gesundheit. Es besteht kein Leistungsdruck - davon haben wir ja meistens schon genug. Dafür darf bewusst entspannt werden, ein Stück Zeit, das nur dafür da ist, mich selbst wieder besser zu spüren. Und wenn die ersten Erfolge wahrgenommen werden, kommt das Interesse an mehr oft von selbst.

Wenn jemand auf den "Yogazug" aufspringt, landet er nicht selten in der Situation, nach und nach seine schädlichen Lebensgewohnheiten zu erkennen und zu hinterfragen. Vielleicht entwickelt sich ganz subtil das Bedürfnis weniger Fleisch zu konsumieren, den Tag, statt mit einem Fernsehkrimi und einer Packung Chips, mit einer Entspannungsübung zu beenden und regelmäßiger zu schlafen. Und irgendwann kommt man drauf, dass Yoga, Atemübungen und Zigaretten so gar nicht zusammen passen... Ich bin mir bewusst, dass dieses Szenario etwas idealisiert dargestellt ist. Aber es soll eine Möglichkeit aufzeigen, mit einer einzigen Empfehlung möglicherweise mehrere Probleme anzugehen, anstatt einer Reihe von Maßregelungen vorzusetzen, die oft nicht in die Praxis umgesetzt werden. Und wenn die Empfehlung von jemanden kommt, der vielleicht selber Yoga praktiziert, so erzielt man über das Prinzip der Authentizität noch besser Wirkung.

Übrigens gibt es immer häufiger auch wissenschaftliche Hinweise, dass an Yoga wirklich etwas dran ist. Sogar die Molekularbiologen setzen sich mit diesem Thema schon auseinander. In diesem Zusammenhang möchte ich das GEO-Magazin Nr 06/13 empfehlen. Hier zeichnet sich ein wenig ab, wie eine moderne Gesundheitsvorsorge mit einer alten Tradition erreicht werden kann. Es sollte nur nicht bei der Theorie bleiben!

Mit besten Empfehlungen zum Weiterempfehlen,

Andreas Goldammer

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